Sollte ich meine Pflanzen aufwecken, bevor ich das Licht einschalte?
In dieser Lektion erklären wir, warum Vorheizen und eine Sunrise-Routine wertvolle Werkzeuge für LED-Grower sind – und wie du sie effektiv umsetzt.
Das Problem: ein kalter Start
Während der Nacht entspricht die Pflanzentemperatur der Raumtemperatur – solange die Transpiration nicht unnötig stimuliert wird. Tagsüber wird die Raumtemperatur erhöht, um optimale Bedingungen für eine schnelle Photosynthese zu schaffen. In der Blütephase fahren Grower bewusst eine niedrigere Nachttemperatur, um die Pflanzenatmung (Energieverbrauch in der Dunkelheit) zu verlangsamen und den Tag-Nacht-Temperaturunterschied aus Qualitätsgründen zu maximieren. Das schafft einen kritischen Übergangsmoment bei Lights-On. Sobald das Licht angeht, öffnen sich die Stomata und die Pflanze beginnt sofort zu transpirieren und sich zu kühlen. Der Raum ist aber noch auf seiner kühleren Nachttemperatur. Die Blatttemperatur kann 2–3 °C abfallen, bevor sich der Raum erwärmt hat. Bei dieser kühleren Temperatur, kombiniert mit der hohen Restfeuchtigkeit aus der Nacht, kann sich Kondensation auf den Blättern bilden – ideale Bedingungen für Mehltau oder Botrytis. Und weil die Pflanze kalt ist, funktioniert die Photosynthese kaum, obwohl die Leuchten mit voller Leistung laufen.
Strategie 1: vollständiges Vorheizen
Heize den Raum auf volle Tagestemperatur, bevor du das Licht einschaltest. Sobald der Raum auf Tagestemperatur ist, startest du mit 100 % Lichtintensität. Halte die Vorheizzeit so kurz wie möglich – idealerweise etwa 15 Minuten – da die Pflanze in dieser dunklen Aufwärmphase noch atmet (Energie verbraucht). Die Energiekosten für eine längere Aufwärmung müssen durch den schnelleren, effizienteren Photosynthese-Start, der folgt, mehr als kompensiert werden.
Strategie 2: teilweises Vorheizen kombiniert mit Sunrise
Erhöhe die Raumtemperatur vor Lights-On um 2–3 °C und steigere dann die Lichtintensität schrittweise mit einer Sunrise-Routine. Da die Lichtintensität langsam ansteigt, öffnen sich die Stomata allmählich statt auf einmal – die Pflanze kühlt sich also sanfter. Mit weniger sofortiger Transpiration bleibt die Blatttemperatur während des Übergangs höher. Beispiel: Wenn die Nachttemperatur 20 °C beträgt und die Zieltemperatur am Tag 26 °C ist, heize den Raum kurz vor Lights-On auf 23 °C vor. Wenn das Licht mit niedriger Intensität angeht, kühlt sich die Pflanze nur leicht – auf vielleicht 22,5 °C statt zurück auf 20 °C zu fallen. Photosynthese läuft bei 22,5 °C effizienter als bei 20 °C. Während sich der Raum weiter erwärmt und die Lichtintensität steigt, stabilisiert sich die Pflanzentemperatur in ihrem optimalen Bereich. Die Dauer des Sunrise sollte ungefähr der Zeit entsprechen, die der Raum braucht, um die volle Tagestemperatur zu erreichen – in der Praxis die Zeit, die die Pflanze braucht, um ihre optimale Blatttemperatur zu erreichen.
Fazit
Vorheizen und Sunrise sind keine Extras – für LED-Grower mit einem nennenswerten Tag-Nacht-Temperaturunterschied sind sie essenzielle Werkzeuge, um die Pflanzengesundheit zu schützen, Krankheiten vorzubeugen und sicherzustellen, dass die Photosynthese ab der ersten Minute der Lichtperiode effektiv startet.